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Projekt: Hegezhuang Künstler Atelier

Kunde:
Privat
Ort:
Peking, China
Funktion:
Künstler Atelier und Wohnhaus
Fläche Baugrundstück:
500 qm
Bearbeitungsphase:
November 2012 – Februar 2013
Stand:
eingestellt
Verantwortliche Partner:
Binke Lenhardt, DONG Hao
Team:
Anne-Charlotte Wiklander, Tracey Loontjens

Hegezhuang, ein kleines Dorf am nord-östlichen Rand von Peking (China), ist geprägt von ein- und zweistöckigen Backstein-Gebäuden und einem Netzwerk aus schmalen Gassen. Umgeben von Gebäuden auf drei Seiten liegt an einer dieser Gassen das Baugrundstück, welches sich aus 2 gleich großen Grundstücken zusammensetzt und eine Gesamtfläche von 500 qm hat.
Da die Kundin das Land nicht besitzt, sondern es nur für 10 Jahre pachtet, musste die Planung berücksichtigen, dass das Grundstück nach Ablauf des Pachtvertrages wieder geteilt werden kann, bzw. wieder unabhängig nutzbar gemacht werden muss.
Die Kundin ist eine Künstlerin aus Peking. Sie wünscht sich einen Ruhe- und Rückzugsort, um sich fern der Millionen-Stadt auf ihre Arbeit zu konzentrieren oder mit Freunden und Familie zu treffen. Ein individuell und charaktervoll mit persönlichen Gegenständen und Möbeln gestalteter freier Raum soll zudem der Ausstellung einer umfangreichen Kunstsammlung dienen.
Konzept
Um sowohl die Selbst-Reflektion als auch das Gemeinschaftserleben zu fördern wurde ein geschlossener und auf sein Inneres ausgerichteter Ort geschaffen. Das Konzept „The Introverted Retreat“ nimmt die Struktur traditioneller chinesischer Hofhäuser auf, in denen sich die Räume um einen zentralen Hof ordnen. Der Hof bietet Licht und Ausblicke, während die äußeren Wände geschlossene Grenzen bilden.
Anders als die traditionellen Hofhäuser jedoch besitzt das gegebene Grundstück keinen quadratischen Grundriss. Die lange schmale Fläche wird daher nicht mit umlaufenden Räumen, sondern durch drei Gebäudeteile mit dazwischen angeordneten Höfen gegliedert, die jeweils eine Nord-Süd-Belichtung ermöglichen.
Die drei Gebäudeteile beherbergen die drei Funktionsbereiche: Die Kunst-Galerie liegt im südlichen, die dienenden Funktionen mit zwei kleineren Schlafräumen und einem Wäscheraum im nördlichen eingeschossigen Block. In der Mitte befindet sich der Wohn- und Lebensraum mit einem offenen Wohn-Küchenbereich im Erdgeschoss und zwei Gästezimmern sowie dem Hauptschlafraum im Obergeschoss. Vom Schlafraum gelangt man über eine Brücke direkt zum Atelier-Maisonette-Raum über der Galerie.
Zwei hohe Nischen an jeder Seite des Wohnbereiches bilden die Eingänge zu dem Komplex von der schmalen Dorfgasse her.
Die umschließende Gebäudehülle soll einerseits schützen und enthält andererseits Funktionsräume und Verkehrsflächen und lässt somit den Mittelraum komplett offen, dies spiegelt so das Bedürfnis der Bauherrin nach Einkehr und (Ver-)Sammlung.
Der Eindruck der schützenden Mauer wird gesteigert durch den Einsatz verschiedener Materialien und Maßstäbe. Der schmale umschließende Funktionsbereich ist mit gebrauchten Holzplanken ausgestattet, der offene Mittelbereich hat einen polierten Betonboden.
Die durch die Faltung der umschließenden Wand entstehenden Eingangsnischen machen die Stärke der Wand erlebbar.

Konstruktion
Die entwickelte Baukonstruktion basiert auf der langjährigen Kenntnis und Erfahrung mit den Möglichkeiten und Grenzen der lokalen Handwerker und Baufirmen. Aufgrund der nur auf zehn Jahre angelegten Nutzungsdauer des Grundstückes ist die Bauphase möglichst kurz zu halten. Dies führt zu der Entwicklung von Standarddetails, um reibungsfreie und schnelle Bauabläufe zu gewährleisten. Um den Möglichkeiten der Handwerker zu entsprechen werden vier Materialien ausgewählt: Backstein für die umfassende Wand, Beton für Fundamente und Decken, Böden und Fenster aus recyceltem Holz und schwarz lackierter Stahl für Geländer und Beschläge. Das konstruktive Konzept unterstützt die einfache Umsetzung in der Ungenauigkeiten und Abweichungen keinen Einfluss auf das gesamte Erscheinungsbild haben.